Rund die Hälfte aller Frauen, die Antidepressiva einnehmen, setzen diese bei einer Schwangerschaft ab. In den meisten Fällen, weil sie Angst vor Fehlbildungen haben. Einige tun dies auf eigene Faust, andere auf Anraten von Ärzten.

Das Ärzte und die Schwangeren selber bei der Einnahme von Medikamenten vorsichtig sind, hat einen guten Grund. Der Contergan-Skandal ist zwar viele Jahre her, doch ist man seitdem sehr vorsichtig, wegen möglicher Missbildungen der Babys, die durch Medikamente hervorgerufen werden.

Nicht wenige Ärzte, die zum Absetzen von Antidepressiva während der Schwangerschaft raten, kennen sich mit der Thematik kaum aus. Viele Psychiater, die Antidepressiva verschreiben, kennen sich nicht mit Schwangerschaften aus, Frauenärzte hingegen haben zu wenig Wissen über die Therapie mit Psychopharmaka. So gibt es denn auch Ärzte, die Frauen, die Antidepressiva einnehmen, sogar von einer Schwangerschaft abraten. Doch dies kann auch nicht die Lösung sein.

Doch sie tun dies aus gutem Grund: Es gibt kein Antidepressivum und keinen Stimmungsaufheller, der in der Schwangerschaft zugelassen ist. Werden dennoch Mittel verschrieben, sind es oftmals SSRI und Trizyklia, Betroffenen Frauen kann nur geraten werden, einen Arzt aufzusuchen, der sich mit beiden Themen, Antidepressiva und Schwangerschaft, auskennt.

 

Keine Erprobung von Medikamenten an Schwangeren

Da taucht die Frage auf, weshalb es keine Antidepressiva gibt, die in der Schwangerschaft zugelassen sind. Die Antwort ist einfach: Aus ethischen Gründen werden Medikamente nicht an Schwangeren erprobt. Deshalb werden auf Daten von Frauen zurückgegriffen, die während ihrer Schwangerschaft Antidepressiva eingenommen haben. Daten von mehreren Tausend Schwangerschaften liegen für folgende SSRI vor:
  • Citalopram
  • Fluoxetin
  • Paroxetin
  • Sertralin

Für Fluvoxamin sind die Daten von mehreren Hundert Schwangerschaften verfügbar. Alle Daten zeigen, dass es durch die Einnahme von diesen SSRI nicht zu vermehrten Missbildungen bei den Säuglingen gekommen ist. Eine neuere Studie zeigt aber, dass das Risiko einer Frühgeburt durch die Einnahme von Antidepressiva erhöht ist. Dabei wurde auch vorwiegend SSRI eingesetzt.

 

Weiteres Vorgehen bei einer Schwangerschaft

Schwangere, die Antidepressiva nehmen, sollten mit dem Arzt darüber sprechen. Je nach derzeitigem Befinden, dem eingenommenen Präparat und der individuellen Vorgeschichte, wird der Schwangeren das weitere Vorgehen empfohlen. Dies kann unter anderem sein:

  • die Fortführung der Einnahme wie bisher
  • die Reduktion der Dosis
  • der Wechsel des Präparats
  • eine Psychotherapie durchzuführen statt den Medikamenten
  • ein Verzicht auf die Einnahme während dem ersten Drittel der Schwangerschaft
  • ein Verzicht auf die Einnahme gegen Schluss der Schwangerschaft

 

Antidepressiva und Schwangerschaft: Ein Pro und Contra

Der Arzt und die betroffene Frau müssen letztlich entscheiden, ob die Antidepressiva während der Schwangerschaft weiter eingenommen werden sollen. Dabei ist aber zu bedenken, dass gerade bei nicht geplanten Schwangerschaften während mehreren Wochen Arzneimittel – darunter auch Antidepressiva – eingenommen werden, weil die betroffenen Frauen noch gar nicht weiss, dass eine Schwangerschaft besteht.

Dann wird möglicherweise die Einnahme von Medikamenten abgebrochen, obwohl zu diesem Zeitpunkt die Organogenese weitgehend schon abgeschlossen ist. Das bedeutet, dass sich mögliche Organschäden nicht mehr zu verhindern sind. Die Möglichkeit, dass es durch das plötzliche Absetzen aber zu psychischen Problemen kommt, ist groß.

 

Auch ein Therapieabbruch kann Folgen haben

Doch nicht nur die Einnahme von Arzneimitteln kann Folgen haben. Es ist ebenfalls möglich, dass ein Abbruch der Therapie der werdenden Mutter wie auch dem Kind schaden kann. Es ist möglich, dass es wegen nicht behandelten Depressionen zu vermehrten Fehlgeburten und Frühgeburten kommt. Auch von Verzögerungen im Wachstum und in der Entwicklung wird berichtet.

Es besteht zudem ein erhöhtes Risiko, dass die Depression bei den Frauen nach der Geburt wieder verstärkt auftritt. Sogar Suizide oder erweiterte Suizide sind schon vorgekommen, wenn auch glücklicherweise nur äußerst selten.

 

Fazit: Im Einzelfall das Für und das Wider genau abwägen

Zusammengefasst muss gesagt werden, dass die einzelnen Risiken genau gegeneinander abzuwägen sind. Dies kann am besten mithilfe eines Arztes geschehen, der sich mit Schwangerschaften, mit psychischen Erkrankungen und mit Antidepressiva genauestens auskennt. Denn die Antidepressiva einfach abzusetzen wegen der bestehenden Schwangerschaft, kann den betroffenen Frauen und den ungeborenen Kindern in Einzelfällen mehr schaden, als die Einnahme der Medikamente. Dies muss aber ein Spezialist im Einzelfall abklären. Von einer eigenhändigen Entscheidung, ohne den Arzt zu konsultieren, kann nur dringend abgeraten werden.

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