Obwohl eine Depression nach der Geburt nichts Ungewöhnliches ist, ist es dennoch für viele ein Tabuthema. Dass Frauen nach der Geburt traurig und unglücklich sind, passt nicht mit dem vorherrschenden Mutterbild zusammen. Viele Frauen sprechen deshalb nicht über ihr Problem und lassen sich nicht behandeln. Doch eine Wochenbettdepression ist kein Zeichen von Schwäche, sondern eine behandlungsbedürftige Komplikation der Geburt. Wie man eine Wochenbettdepression erkennen und behandeln kann, erfahren Sie hier.

 

Unterschied zu Baby Blues und postpartaler Psychose

Insgesamt können Mütter drei psychische Krisen und Erkrankungen nach einer Geburt durchleben:
  • postpartales Stimmungstief (Baby Blues)
  • postpartale Depression
  • postpartale Psychose

Typische Symptome beim Baby Blues sind Traurigkeit, Stimmungsschwankungen, häufiges Weinen, Schlaf- und Ruhelosigkeit. Die Mutter fühlt sich müde und erschöpft. Die Ursachen liegen in den körperlichen und psychischen Veränderungen, die mit der Geburt einhergehen, begründet. Das postpartale Stimmungstief muss selten behandelt werden. Ruhe, Zuwendung und Unterstützung reichen in der Regel aus, um das Nervenkostüm zu stabilisieren.Hält das Stimmungstief länger an, kann sich eine Depression nach der Geburt entwickeln. Sie wird auch als postpartale Depression, postnatale Depression und Wochenbettdepression bezeichnet.In selteneren Fällen, bei etwa einer von 1000 Frauen, kommt es nach der Geburt zu einer postpartalen Psychose. Betroffene Mütter können unter quälenden Wahnvorstellungen und Sinnestäuschungen leiden und sind in ihren alltäglichen Funktionen stark eingeschränkt. Aufgrund der unmittelbaren Gefahr für Mutter und Kind ist schnelle professionelle Hilfe und meist eine stationäre Behandlung nötig.

 

Depression nach Geburt – Symptome und Verlauf

Die postnatale Depression ist von postpartalen Angstzuständen abzugrenzen. Eine Angststörung bringt nicht notwendigerweise eine Depression mit sich. Bleibt sie unbehandelt, kann sie sich allerdings zu einer Wochenbettdepression entwickeln.

Eine Depression nach der Geburt ist normalerweise nicht gefährlich. Dennoch ist sehr belastend für eine Mutter und kann die Beziehung zum Kind beeinträchtigen. Der Mutter fällt es schwer, auf die Bedürfnisse ihres Kindes zu reagieren.

Typische Anzeichen einer Wochenbettdepression sind:

  • inneres Leeregefühl
  • Ängste
  • anhaltendes Stimmungstief
  • sexuelle Unlust
  • Selbstzweifel
  • Appetitlosigkeit
  • allgemeines Desinteresse
  • Zwangsgedanken an Selbstverletzung

Halten diese Beschwerden über zwei Wochen an, spricht man von einer Depression.

Schuldgefühle können entstehen, da die Betroffene sich unfähig fühlt, ihrem Baby genug Liebe zu geben. Manche Mütter entwickeln Zwangsgedanken und denken daran, ihrem Kind zu schaden. Allein der Gedanke kann so beängstigend sein, dass die Mutter sich beispielsweise nicht mehr traut, ihr Baby allein zu baden.

Bei stärkeren Depressionsverläufen können Suizidgedanken entstehen. In solchen Fällen ist dringend medizinische Hilfe notwendig.

 

Depression nach Geburt – Häufigkeit und Auslöser

Schätzungen zufolge leiden etwa 15 von 100 Frauen an einer Depression nach der Geburt. Bei der Hälfte der Frauen verläuft die Krankheit milde. Auch Väter können eine postnatale Depression entwickeln.

Bei der Entstehung der postnatalen Depression wirken viele Faktoren zusammen. Stress, Schlafmangel, Umstellung des Stoffwechsels, Schwangerschaftskomplikationen oder traumatische Geburtserlebnisse können mögliche Auslöser sein. Soziale Faktoren wie die Neufindung der Rolle als Mutter, unglückliche Beziehungen zum Partner oder mangelnde soziale Unterstützung spielen ebenfalls eine Rolle. Welchen Einfluss hormonelle Umstellungen nach der Schwangerschaft haben, ist umstritten.

Psychische Erkrankungen, die vor der Schwangerschaft bestanden haben oder in der Familie auftreten, können das Risiko für eine Depression nach der Geburt erhöhen.

 

Untersuchung und Diagnose

Es gibt keine allgemein anerkannte Vorgehensweise, um eine Wochenbettdepression zu diagnostizieren. Meist wird die Depression durch die Betroffene selbst oder durch Angehörige vermutet. Das Gespräch mit einem Arzt kann Klarheit verschaffen.

Ein hilfreiches Diagnose-Instrument stellt die Edinburgh-Postnatal-Depression-Scale (EPDS) dar. Hierbei handelt es sich um einen Fragebogen, den Betroffene mit ihrem Arzt bei Verdacht auf eine Wochenbettdepression ausfüllen. So lässt sich der Schweregrad der Depression ermitteln.

 

Behandlung und Prognose

Die Behandlungsmethoden sind vom Schweregrad der Depression abhängig. Bei leichteren Verläufen reicht meist die praktische Unterstützung bei der Babypflege und im Haushalt aus, um die Symptome zu mildern.

In schwerwiegenderen Fällen ist eine psychotherapeutische Behandlung notwendig. Die Betroffene kann, je nach eigenen Präferenzen und Empfehlungen des Arztes, zwischen Gesprächs- oder Körpertherapie wählen. Partner und Angehörige sollten in die jeweilige Therapieform mit einbezogen werden. So können sie den richtigen Umgang mit der Erkrankung lernen und mehr Verständnis für die Patientin entwickeln. Bei Bedarf erhalten Frauen mit Wochenbettdepression zusätzlich eine medikamentöse Therapie (Antidepressiva).

Liegt ein besonders schwerer Verlauf von Wochenbettdepression vor, ist eine stationäre Behandlung notwendig. In einigen Städten ist eine Mutter-Kind-Betreuung möglich.

Die Prognose für die Ausheilung der Depression nach der Geburt ist gut. Wird sie behandelt, erholen sich die Betroffenen in der Regel vollständig. Eine unbehandelte Wochenbettdepression kann 4 bis 6 Monate andauern und schlimmstenfalls chronisch werden.

 

 

Depression nach Geburt – Tipps für Betroffene

Wer unter Depressionen leidet, fühlt sich macht- und antriebslos. Diese Tipps sollen helfen, den Heilungsverlauf der Wochenbettdepression zu unterstützen und die Symptome abzumildern:

  • Austausch mit anderen Betroffenen
  • offen über Ängste und Probleme sprechen (Partner, Angehörige)
  • Ruhephasen nutzen und Zeit für sich selbst nehmen
  • Ablenkung (Spaziergänge)
  • Hilfe einer Hebamme in Anspruch nehmen
  • ärztlichen Rat einholen
  • Austausch mit einem Psychologen
  • sich selbst Zeit zur Genesung geben

 

Depression nach Geburt – Tipps für Partner und Angehörige

Väter sind in dieser Zeit oft doppelt gefordert und sollten gegebenenfalls durch Angehörige entlastet werden. Einen allgemeinen Fahrplan gibt es zwar nicht, dennoch können folgende Tipps helfen, die Betroffene bestmöglich zu unterstützen:

  • der Betroffenen zuhören
  • Zuneigung geben
  • die Gefühle ernstnehmen und niemals verharmlosen
  • Ermahnungen und Appelle an das Pflichtbewusstsein vermeiden
  • Diskussionen und Streitereien vermeiden
  • die Betroffene so gut es geht von allen Aufgaben entlasten
  • Ablenkung z.B. durch gemeinsame Spaziergänge

Die Unterstützung des Partners und ein gutes familiäres Umfeld erleichtern der Betroffenen die erste Zeit nach der Geburt und helfen, die Symptome einer Wochenbettdepression besser unter Kontrolle zu halten.

 

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